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Leistungssport

Talentsuche / Talentförderung

Impulse für neue Konzepte

Aufmerksame Zuhörer bei der Fachtagung. Foto: Dominic Ullrich

Der Sportart übergreifende Austausch zum Thema „sportliche Sichtungen“ stand im Mittelpunkt einer Fachtagung  in der Sportschule des Landessportbundes Hessen (lsb h). Der „Verein zur Förderung sportlicher Talente in den hessischen Schulen“ hatte die Tagung gemeinsam mit dem Hessischen Kultusministerium und dem Landessportbund Mitte November organisiert. Eingeladen waren alle Landestrainer der beteiligten Sportarten des Landesprogramms „Talentsuche – Talentförderung“ sowie alle Lehrer-Trainer der hessischen Partnerschulen des Leistungssports und der Schulsportzentren. Eröffnet wurde die Tagung vom Vorsitzenden des Vereins, Dominic Ullrich, sowie von  Ulrich Striegel (Hessisches Kultusministerium) und Lutz Arndt (Vizepräsident Leistungssport lsb h).

Impulse für Talentsichtungskonzepte

Alexandra Janetzko (Institut für Sportwissenschaft Universität Oldenburg) stellte im ersten Impulsreferat zum Thema „Auswahlprozesse im Leistungssport – Sichtungspraktiken im Tanzsport und der Leichtathletik“ anschaulich dar, wie Trainer mit ihrem Expertenwissen  und dem sogenannten „Trainerauge“ als effektivem Instrument bei der Talentfindung erfolgreich wirken können. Weitere wichtige Impulse steuerte Dr. Ilka Seidel (Forschungszentrum für den Schulsport und den Sport von Kindern und Jugendlichen (FoSS) Karlsruhe/Karlsruher Institut für Technologie (KIT Karlsruhe) bei. Sie verdeutlichte, dass Leistungstests bei der Talentsuche vor der Pubertät fast keine Aussagekraft haben. Vielmehr machte die Referentin deutlich, dass eine fundierte und breite motorische Ausbildung von Kindern die geeignetere sportliche Förderung sei, um im Entwicklungsprozess die geeigneten Kinder für einen möglichen leistungssportlichen Weg zu erkennen.

Exemplarische Darstellung eines individuellen Karriereverlaufs

Wie der konkrete Karriereverlauf eines sportlichen Talents aussehen kann, wurde im Gespräch zwischen Dominic Ullrich und Konstantin Steinfurth (B-Kader-Leichtathlet) aus Eppstein deutlich. Steinfurth, hatte in diesem Jahr seinen ersten internationalen Einsatz mit der Nationalmannschaft beim Länderkampf in Italien hatte und wurde mit persönlicher Bestleistung erstmals Deutscher Jugendmeister im Hammerwurf.  
Seine Antworten zeigten den hohen Stellenwert von persönlicher Motivation und Zielstrebigkeit im Nachwuchsleistungssport. Sowohl seine Eltern, als auch Schulleiterin Inge Gembach-Röntgen (Carl-von-Weinberg-Schule), bescheinigten ihm Eigenschaften wie Beharrlichkeit, Zielstrebigkeit und Offenheit, die sowohl seine sportliche als auch schulische Entwicklung positiv beeinflussen. Landestrainerin Regine Isele betonte in ihrem Beitrag, wie wichtig die Ausübung verschiedener Sportarten für die Entwicklung der motorischen Fähigkeiten ist, wie sich am Beispiel Konstantin Steinfurths zeige.

Workshops für mehrperspektivische Talentkriterien

Das Interview verdeutlichte anschaulich, dass für die Talentidentifikation neben den körperlichen Voraussetzungen, der Trainierbarkeit und der sportliche Leistung, auch Persönlichkeitsmerkmale  sowie die vorhandenen Entfaltungsmöglichkeiten von großer Bedeutung sind. Analog zu diesem mehrperspektivischen Ansatz setzten sich fünf parallel stattfindende Workshops, mit diesen Dimensionen der Talentfindung auseinander. Dabei wurden die Workshops von der Tagungsorganisation bewusst Sportart übergreifend zusammengestellt, um so „voneinander zu lernen“. Dr. Ilka Seidel unterstütze dabei als Expertin den Workshop „Leistung“ beim Erfahrungsaustausch der beteiligten Landes- und Lehrer-Trainer sowie bei der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen. Dr. Michael Gutmann, leitender Psychologe des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, stellte im Workshop „Persönlichkeit“ interessante psychologische Hintergrundinformationen zur Verfügung. Im Workshop „Körper“ verdeutlichte Dr. Petra Nissinen (Olympiastützpunkt Hessen) die Notwendigkeit geeigneter körperlicher Voraussetzungen für spätere Höchstleistungen. Rainer Weishaar (Hessischer Turn-Verband) arbeitete im Workshop  „Trainierbarkeit“  die Grundlage einer möglichst vielseitigen und breiten motorischen Basis und deren Einfluß auf das Erlernen von Bewegungsabläufen und Techniken heraus. Im Workshop „Entfaltungsmöglichkeiten“ zeigte Bernd Brückmann (Laufbahnberater Olympiastützpunkt Hessen) Wege und Rahmenbedingungen im Spannungsfeld Nachwuchsleistungssport und schulisch-berufliche Ausbildung auf.

Eignung und Neigung, Begabung, Talent

Die zusammengefassten Ergebnisse der Workshops wurden im Plenum für alle Teilnehmer kurz dargestellt und in der anschließenden Podiumsdiskussion der Workshop-Experten gemeinsam diskutiert und bewertet. Moderator Dominic Ullrich, brachte die Ergebnisse, zumindest was die Talentidentifikation angeht auf den Punkt. Im Mittelpunkt stehen zunächst „Eignung und Neigung“,  dann „Begabung“ sowie folgend das „Talent“. Das bedeutet, dass vor der Pubertät zunächst von geeigneten Kindern mit sportlichen Neigungen, spätere von begabten Kindern und erst nach der Pubertät von „Talenten“ gesprochen werden sollte.
Die Fachtagung stellte, durch ihren bundesweit einmaligen Sportart übergreifenden Ansatz, einen ersten Schritt zur Sensibilisierung der beteiligten Sportverbände beim Thema „Talentsuche“ dar. Um weiterhin die Nachhaltigkeit der Tagung abzusichern, ist eine Folgetagung schon angedacht.

Dominic Ullrich