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Sportinfrastruktur

Sport- und Naturschutzverbände unterzeichnen "Vereinbarung Wald und Sport"

Gemeinsame Verhaltensregeln vereinbart

Die Teilnehmer des Runden Tisches "Wald und Sport" nach der Unterzeichnung der gemeinsamen Vereinbarung im Wildpark Hanau-Wolfgang, c. Sebastian Wysocki / HMUELV

27 Verbände und Institutionen haben heute im Wildpark Hanau-Kleinauheim die „Vereinbarung Wald und Sport" unterzeichnet. „Ziel ist es die Erholung und die sportliche Betätigung der Menschen im Wald zu unterstützen und dabei zu helfen, Konflikte zu vermeiden“, sagte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich, die den  „Runden Tisch Wald und Sport“ organisiert und moderiert hatte.

Der „Runde Tisch Wald und Sport“ geht zurück auf die Beratungen zum Hessischen Waldgesetz. Seinerzeit hatten sich die Verbände und das Ministerium verständigt, das Thema der Betretungsrechte in Verbindung mit der sportlichen Betätigung im Wald noch einmal zu diskutieren. Ziel des „Runden Tisches Wald und Sport“ ist es, auf der Grundlage der forstrechtlichen Regelungen die Erholung und die sportliche Betätigung der Menschen im Wald zu fördern. Die Aspekte des Naturschutzes, der Umweltbildung und der Nachhaltigkeit spielen dabei eine besondere Rolle. „Der „Runde Tisch Wald und Sport“ trägt dazu bei, den Wald als Erholungsraum weiter zu entwickeln und zugleich das Verständnis für den Wald als Lebens- und Naturraum sowie als Wirtschaftsraum zu stärken“, lobte Puttrich das aktive Engagement der Beteiligten.

Gemeinsam erarbeitet wurde ein Verhaltenskodex, der für alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher, insbesondere für die Sportlerinnen und Sportler, gültig ist. Dieser umfasst 15 Verhaltensregeln wie z.B. die gegenseitige Rücksichtsnahme bei der Begegnung mit anderen Waldbesuchern oder den Appell, den Wald sauber zu halten und keinen Müll zu hinterlassen. Auch soll nur auf Wegen gefahren und geritten werden. Dabei sollen die Waldbesucher stets eine angemessene Geschwindigkeit einhalten und die Waldwege schonen. Ebenso sollen keine Erholungseinrichtungen, Sportanlagen und Langlaufloipen beschädigt werden. „Wir haben mit den Verhaltensregeln einen wichtigen Konsens erreicht, der über die im Gesetz geregelten Grundsätze hinausgeht und den Interessen aller Waldbesucher, aber auch denen der Natur Rechnung trägt“, sagte Puttrich.

Die Partner des „Runden Tisches Wald und Sport“ haben vereinbart sich möglichst einmal im Jahr zu treffen, um den Fortschritt ihrer Zusammenarbeit zu diskutieren und neue Informationen auszutauschen. Zur Lösung oder Vermeidung von Konflikten im Bereich Wald und Sport werden die hessischen Forstbehörden und der Landesbetrieb Hessen-Forst die Institutionen und Verbände bei der in Einzelfällen erforderlichen Lenkung der Freizeit- oder Sportaktivitäten im Wald unterstützen und rechtzeitig beteiligen. Abschließend vereinbarten die Partner, ihre Mitglieder über die Leitlinien und Verhaltensregeln der Vereinbarung zu informieren.
Standpunkte und Leitlinie

1. Sport im Wald ist willkommen

Waldbesucherinnen und Waldbesucher, Sportlerinnen und Sportler sind im Wald als Gäste gerne willkommen. Wald und Sport gehören zusammen. Die Zunahme von Veranstaltungen und von Sportstätten im Wald bei gleichzeitig steigender Sportartenanzahl macht es jedoch erforderlich, möglichen Nutzungskonflikten sowie Beeinträchtigungen des Waldes und seiner Funktionen aktiv vorzubeugen.

2. Sport im Wald hat Regeln

Wald ist Lebensraum, Naturraum und Wirtschaftsraum. Waldbesucherinnen und Waldbesucher, Sportlerinnen und Sportler, respektieren die Bedeutung des Waldes für unsere Umwelt, den Natur- und Artenschutz, das Klima, den Wasserhaushalt, die Reinhaltung der Luft, die Infrastruktur und den ländlichen Raum, den wirtschaftlichen Nutzen und für die Erholung. Wald ist zugänglicher, freier Raum, aber kein rechtsfreier Raum. Auch im Wald gelten Regeln.

3. Sport im Wald ist Begegnung

Keiner lebt für sich allein. Im Wald begegnet man sich. Miteinander reden dient dem Wald. Gegenseitige Information und Kommunikation sind wichtig.

4. Sport im Wald benötigt Voraussicht und Rücksicht

Der Wald kann auch Gefahren bergen. Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr. Darüber sollten sich alle Waldbesucherinnen und Waldbesucher stets im Klaren sein. Auch die Sportausübung im Wald kann Gefahren für andere Waldbesucher mit sich bringen. Voraussicht und Rücksichtnahme auf andere Waldbesucher oder Waldnutzer, auf Tiere und Pflanzen sind Tugenden, die naturverbundene und faire Sportlerinnen und Sportler beherzigen.

5. Sport im Wald bewegt die Menschen

Sport im Wald wird immer wichtiger. Freizeit und sportliche Erholung gewinnen in unserer Gesellschaft an Bedeutung. Häufig im Wald betriebene Sportarten wie z.B. Wandern, Jogging, Skilanglaufen, Radfahren, Reiten oder Orientierungslauf erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Vor allem durch die zunehmende Urbanisierung wird der Wald als Ort der Erholung immer wichtiger, denn viele Menschen finden im Wald die Möglichkeit, der Enge und Hektik in den Städten zu entfliehen, um sich beim Sport zu entspannen.

6. Sport im Wald achtet Eigentum

Jeder Wald hat einen Eigentümer. 25 Prozent des hessischen Waldes sind Privatwald, 35 Prozent Körperschaftswald und 40 Prozent Staatswald. Waldbesucherinnen und Waldbesucher, Sportlerinnen und Sportler respektieren die Rechte der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer und vermeiden Konflikte.

7. Sport im Wald ist gesund

Sport im Wald ist besonders gesund. Sportliche Betätigung im Wald steigert das Wohlbefinden und fördert die körperliche und mentale Gesundheit. Sport im Wald verbindet die körperliche Bewegung mit Naturerlebnis. Im Wald finden Waldbesucher, Sportlerinnen und Sportler gesunde Luft, Ruhe und ein angenehmes Mikroklima. Sport im Wald heißt Naturerfahrung mit allen Sinnen.

8. Sport im Wald achtet die Belange des Naturschutzes

Wälder sind die am höchsten entwickelten Ökosysteme in Europa. Wald bedeckt rund 42 Prozent der Fläche Hessens. Sie bilden den bedeutendsten Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Die Zahl der Tierarten und ihre Individuendichte sind im Wald größer als in jedem anderen terrestrischen Lebensraum. Die günstigen Einflüsse der Wälder auf Boden, Wasser, Luft und Klima sind unverzichtbar. Verantwortungsvolle Sportlerinnen und Sportler stellen sicher, dass sie den Wald nicht schädigen.

9. Sport im Wald braucht engagierte Verbände

Die Verbände der Waldbesitzer, die Naturschutzverbände und die Sportverbände sind dem natur- und landschaftsverträglichen Sport verpflichtet und entwickeln für alle im Wald praktizierten Disziplinen erfolgreiche Nutzungskonzepte. Diese ermöglichen eine angemessene Sportausübung und gewährleisten dabei den Schutz des Waldes sowie die Wahrung der berechtigten Interessen von Waldbesitzern und Jägern. Die Verbände der Waldbesitzer, die Naturschutzverbände und Sportverbände sollen frühzeitig an allen Verfahren, Planungen und Maßnahmen, die mit Sport im Wald zu tun haben, beteiligt werden und bieten ihre kompetente und partnerschaftliche Mitwirkung an.

10. Sport im Wald fördert den heimischen Tourismus

In vielen hessischen Feriengebieten sind im Wald betriebene Sportarten grundlegende Bestandteile der touristischen Angebotspalette. Dabei verfügen die Ferienregionen hierzulande über ein hervorragendes Natursportpotential. Ein attraktives Angebot für Sport im Wald, das die Rechte der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer respektiert, stärkt den heimischen Tourismus als bedeutenden Wirtschaftszweig mit zahlreichen Arbeitsplätzen.
Verhaltensregeln im Wald

    Verhalte Dich ruhig, rücksichtsvoll und vorsichtig.
    Schütze die Tiere und störe sie – insbesondere nachts – nicht.
    Schütze die Pflanzen und zerstöre sie nicht.
    Beschädige keine Bäume und keine Sämlinge.
    Nimm Rücksicht, wenn Du anderen begegnest.
    Fahre und reite nur auf Wegen, passe Deine Geschwindigkeit an und schone
    die Waldwege. Beschädige keine Erholungseinrichtungen, keine
    Sportanlagen und keine Langlaufloipen.
    Halte Deinen Hund nahe bei Dir oder an der Leine.
    Halte den Wald sauber und hinterlasse keinen Müll.
    Beachte Hinweisschilder und Absperrungen. Beschädige sie nicht.
    Halte Dich an die speziellen Betretungsregelungen in Schutzgebieten.
    Achte auf Forstarbeiten und beachte Hinweise der Forstverwaltung.
    Steige nicht auf Hochsitze.
    Verhindere Waldbrände, mach kein Feuer und rauche nicht im Wald.
    Schau nicht weg bei Fehlverhalten.

Unterzeichner der Vereinbarung sind:

Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Hessischer Waldbesitzerverband, Hessischer Grundbesitzerverband, Hessischer Städtetag, Hessischer Städte- und Gemeindebund, Hessischer Landkreistag, Landessportbund Hessen, Hessischer Radfahrer-Verband, Deutsche Initiative Mountain Bike, Hessischer Skiverband, Hessischer Leichtathletik-Verband, Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club - Landesverband Hessen, Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland – Landesverband Hessen, Pferdesportverband Hessen, Kuratorium Sport und Natur, Wanderverband Hessen, Deutsche Wanderjugend im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine, Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) - Landesverband Hessen, Naturschutzbund Deutschland (NABU) - Landesverband Hessen, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald - Landesverband Hessen, NaturFreunde Deutschland – Landesverband Hessen, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Hessischer Bauernverband, Landesjagdverband Hessen, Hessischer Forstverein, Referentin der Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Menschen mit Behinderungen, Landesbetrieb Hessen-Forst

Downloads:
Vereinbarung Wald und Sport (PDF / 324 KB)

Flyer "Verhaltensregeln im Wald"

Hessisches Waldgesetz


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Text: Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz