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26.10.2016 -

Landessportbund begrüßt Eckpunktepapier zum Spitzensport – mit Einschränkung

„Kein Erfolg um jeden Preis“

Die Konferenz der Landessportbünde hat sich auf ihrer Sitzung in Leipzig positiv zum Eckpunktepapier zur Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung geäußert. Auch der Landessportbund Hessen (lsb h), bei der Konferenz durch den Präsidenten Dr. Rolf Müller vertreten, begrüßt das von Bundesinnenministerium und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) vorgelegte Papier – jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

„Aus hessischer Sicht sind die Olympischen Spiele in Rio mehr als positiv verlaufen. Dennoch halte ich es für sinnvoll, eine Steigerung des Erfolgs aller deutschen Spitzensportler im Vergleich zur internationalen Konkurrenz anzustreben“, sagt Müller, um gleich danach eine Einschränkung vorzunehmen: „Wir dürfen aber nicht Erfolge um jeden Preis fordern.“

Schließlich wolle man nicht in die Nähe von Nationen rücken, die zu Doping griffen, um möglichst viele Medaillen zu erzielen. Auch ein System wie in der DDR, wo systematisch und ausschließlich die Sportarten gefördert wurden, die erfolgsversprechend waren, gilt Müller als Negativbeispiel.

„Deutschland ist bekannt für seine sportliche Vielfalt – im Breiten- wie im Leistungssportbereich“, so der Landessportbund-Präsident. Das Nebeneinander vieler verschiedener Sportarten dürfe durch die Leistungssportreform nicht gefährdet werden. „Vor allem an der Basis brauchen wir Vielfalt, um eine möglichst große Gruppe an Menschen anzusprechen und für den Sport zu begeistern“, sagt Müller, der in diesem Zusammenhang auf die Vorbildfunktion von Spitzensportlern hinweist – ob Medaillengewinner oder nicht.

Die Landessportbünde sprechen sich zudem für eine Stärkung der Rolle des DOSB bei der Ermittlung von Förderentscheidungen aus. „Entscheidungen müssen dort getroffen werden, wo Fachkompetenz vorhanden ist“, sagt Müller dazu und sieht nicht nur seinen Landessportbund dabei eng an der Seite des DOSB.

Der für den Bereich Leistungssport zuständige lsb h-Vizepräsident Lutz Arndt ergänzt einen weiteren Punkt: „Wir brauchen eine deutliche Verstärkung und Professionalisierung des hauptberuflichen Leistungssportpersonals, insbesondere der Trainer.“ Gleichzeitig warnt Arndt davor, schnelle Erfolge zu erwarten: „Wir können nicht heute unsere Trainer stärken und morgen auf mehr Medaillen hoffen. Erfolge werden sich erst mittelfristig einstellen“, ist er überzeugt.

Generell, sind sich Müller und Arndt einig, müsse baldmöglichst ein konkreter Zeitplan aufgestellt werden, wann welche Schritte der Reform umgesetzt werden sollen. „Denn Planungssicherheit brauchen wir alle: die Verbände, die Trainer und vor allem die Sportler“, sagt Lutz Arndt.