Presse

Aktuelle Pressemitteilungen

01.12.2016 -

Olympia-Übertragung: Gespartes Geld in Regionalsport investieren

„Zeichen gegen Kommerzialisierung setzen"

Einen dreistelligen Millionenbetrag hatten ARD und ZDF für die Übertragung der Olympischen Spiele zwischen 2018 und 2024 geboten – zu wenig für den Discovery-Konzern, der die exklusiven Übertragungsrechte vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC)  erworben hatte. Die nächsten Olympischen Spiele werden in Deutschland daher ausschließlich über die Discovery-Sender Eurosport und DMAX zu sehen sein. In den vergangenen Tagen hatte es viel Kritik an dieser Entwicklung gegeben. Auch Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen (lsb h), betonte: „Das ist ein Sieg der Gier über den Sport.“

Dem müsse man mutig entgegentreten – gerade bei den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Sendern, wie Müller, gleichzeitig Fernsehausschuss-Vorsitzender des Hessischen Rundfunks (hr), sagt. „Ich schlage deshalb vor, dass zumindest ein Teil des Millionenbetrags, den ARD und ZDF nun sparen, an die Landesrundfunkanstalten der ARD verteilt wird, um eine hochwertige Berichterstattung über Randsportarten zu gewährleisten. Regional wie national gibt es viele tolle Sportveranstaltungen und Wettkämpfe, die es verdient hätten, dass über sie berichtet wird“, so Müller. „Eine solche Finanzspritze, verteilt auf sieben Jahre, wäre ein wichtiges Signal an die Basis des Sports.“

Der Sport, heißt es beim Landessportbund Hessen, lebe von seiner Vielfalt. „Doch nur wenn es Vorbilder gibt, die auch medial präsent sind, haben Randsportarten eine Chance, Kinder in die Vereine zu locken und neue Talente zu erkennen“, sagt der Präsident. Dabei sei die Bezeichnung „Randsportart“ schon leicht irreführend: „Viele Fußballvereine können heute gar keine Kinder mehr aufnehmen, weil der Zulauf so stark ist. Dagegen müssen selbst starke Verbände wie Leichtathleten oder Schwimmer großen Aufwand betreiben, um genügend Talente an sich zu binden.“ Daran ist laut Müller auch die mediale Fokussierung auf den Fußball schuld.

„Die öffentlich-rechtlichen Sender können ein Zeichen gegen Kommerzialisierung setzen, wenn sie das jetzt gesparte Geld in Regionalsport investieren“, sagt Müller abschließend. Kritik an der Entscheidung von ARD und ZDF, nicht noch mehr Geld für die Übertragung der Olympischen Spiele zu bieten, übt er nicht: „Ich bin froh, dass sie nicht weitergeboten haben. Irgendwann ist Schluss“, so der lsb h-Präsident. Er sieht den Fehler vielmehr beim IOC: „Es war von Anfang an klar, dass Discovery Ziele verfolgt, die weit über den olympischen Gedanken hinausgehen. Das Unternehmen will mit seinen Sendern in den Markt reinkommen – mit aller Macht.“ Die Zuschauer, warnt Müller, selbst ehemaliger Hochschulmeister im Schwimmen, müssten sich auf ein völlig neues Seh-Erlebnis einstellen: „Discovery wird ständig Werbepausen einbauen müssen, um das Geld für den Rechteerwerb wieder reinzubekommen.“