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06.06.2017 -

Sport bildet und bewegt in Schule und Verein

Jeden Tag eine Stunde Sport

Beeindruckt zeigten sich die Vertreter des Landessportbundes beim Besuch der Friedrich-Ebert-Schule. Von links: Dr. Frank Obst, Prof. Dr. Heinz Zielinski, Annette Kleynemeyer, Sportkreisvorsitzender Norbert Möller, Charlotte Göttler-Fuld, Michael Port, Dr. Rolf Müller. Foto: Markus Wimmer

Der Landessportbund Hessen (lsb h) sucht im Rahmen der Kampagne „Sport bildet und bewegt in Schule und Verein“ Partner-Schulen, die eine tägliche Sportstunde anbieten wollen. Beispielgebend hierfür kann die Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg sein, wo die tägliche Sportstunde bereits seit 24 Jahren angeboten wird. Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes, Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Zielinski und der Sportkreisvorsitzende des Sportkreises Hochtaunus, Norbert Möller, haben die Schule kürzlich besucht, um sich dort ein Bild von der Umsetzung einer täglichen Sportstunde zu machen.

Seit 1993 hat die Grundschule im Bad Homburger Stadtteil Gonzenheim die tägliche Sportstunde auf ihrem Stundenplan. Von 1993 bis 1997 war sie Teil eines Modellprojekts, in dem der Zusammenhang zwischen täglicher sportlicher Bewegung und schulischen Leistungen untersucht wurde. Dr. Frank Obst, Geschäftsbereichsleiter Schule, Bildung und Personalentwicklung im Landessportbund, der das Projekt damals wissenschaftlich begleitet und mit ausgewertet hat, fasste zu Beginn des Besuchs die Ergebnisse der damaligen Studie kurz zusammen: „Die Untersuchung ergab, dass sich die Kinder sicherer bewegten, da sich ihre motorische Leistungsfähigkeit verbessert hatte. Aggressionen und Gewaltbereitschaft sind zurückgegangen, Toleranz und Rücksichtnahme haben dagegen zugenommen. Insgesamt hat sich das Lernklima positiv verändert, weil die Kinder ausgeglichener sind, sich besser konzentrieren können und dem Unterricht offener gegenüberstehen.“
Das kann Schulleiterin Charlotte Göttler-Fuld nur bestätigen: „Die tägliche Sportstunde wirkt sich auf alle Bereiche positiv aus“, ist sie auch zwanzig Jahre nach Beendigung des Modellprojekts von der Idee überzeugt. Überzeugt waren damals auch Kollegium, Schulleitung und Elternschaft, sodass die Schule viel Energie und Flexibilität investierte, um die tägliche Sportstunde auch nach Beendigung des Projektes weiter fortführen zu können.
Um täglich in allen Klassen eine Stunde Sport anzubieten, wurden ausgewählte Unterrichtsinhalte der Fächer Sachunterricht und Musik/Kunst fächerübergreifend in die im Stundenplan als Sport ausgezeichneten Stunden verlagert“, heißt es im Schulprogramm. Hierzu zählen unter anderem Rollen, Gleiten, Fahren, Schulung der Wahrnehmungsfähigkeit, der Bewegungssicherheit sowie der Koordinations- und Reaktionsfähigkeit, in den Bereichen Verkehrserziehung/Mobilität aus dem Sachunterricht. Ein weiteres Feld ist das Thema Friedenserziehung. Dort kommen kooperative Spiele, das Aufstellen von Spielregeln und das Lösen von Konflikten zum Tragen. Im Bereich Musik/Kunst sind dies Tanz, Rhythmik und Bewegung zu Musik. Dass die musische Erziehung auch mit täglicher Sportstunde nicht zu kurz kommen muss, belegt die Tatsache, dass die Friedrich-Ebert-Schule das Angebot auch mit dem Konzept „Musikalische Grundschule“ verbunden hat und so einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt.
Doch nicht nur mit Blick auf die Unterrichtsinhalte muss die Schule flexibel sein, auch was die räumlichen Möglichkeiten angeht, gibt es Grenzen. Da bei fünf wöchentlichen Schultagen mit je sechs Unterrichtsstunden nur 30 Turnhallen-Stunden zur Verfügung stehen, ist es bei 16 Klassen unumgänglich, mehrere Klassen gemeinsam in größeren Sportgruppen zusammenzufassen. Das bedeutet, dass in jeder Stunde zwischen 50 und 70 Kinder unterrichtet werden. Eine solche Gruppengröße wird in der Regel als schwierig oder gar unmöglich eingeschätzt, doch an der Friedrich-Ebert-Schule hat man andere Erfahrungen gemacht. „Die Kinder haben schnell gelernt, dass die Sportstunde viel mehr Spaß macht, wenn alle fair miteinander umgehen, Rücksicht nehmen und Regeln einhalten“, schildert Annette Kleynemeyer, Leiterin der Fachschaft Sport an der Schule, ihre Erfahrungen. „Dazu zählen auch regelmäßige Rituale wie das gemeinsame Aufwärmen zu Musik am Beginn der Stunde sowie ein gemeinsamer Abschluss und die selbstorganisierte Aufteilung in Gruppen.“
„Ich habe selten eine Sportstunde erlebt, in der die Kinder so begeistert und gleichzeitig diszipliniert mitmachen“, lobte Dr. Rolf Müller, Präsident des Landessportbundes Hessen, Lehrer und Kinder. Sein Präsidiumskollege, Vizepräsident Prof. Dr. Heinz Zielinski pflichtete ihm bei und betonte die Wichtigkeit des gezeigten Ansatzes. „Der Zusammenhang zwischen sportlicher Bewegung und erfolgreichem Lernen ist wissenschaftlich unbestritten. Umso wichtiger ist es, dieses theoretische Wissen an weiteren Schulen in die Praxis umzusetzen und dort eine tägliche Sportstunde einzurichten.“
„Mit der Friedrich-Ebert-Schule haben diese Schulen nicht  nur ein Beispiel, dessen Erfahrungen genutzt werden können, sondern auch kompetente Ansprechpartnerinnen beim Thema tägliche Sportstunde“ zollte lsb h-Präsident Rolf Müller der Schule seinen Respekt. Bei Norbert Möller, dem Vorsitzenden des Sportkreises Hochtaunus schwang ein wenig Stolz in der Stimme mit: „Die Friedrich-Ebert-Schule ist eine der aktivsten bei den Schulsportabzeichen, sie liegt bei Sportvergleichskämpfen immer vorne und ist langjähriger Partner des Sportkreises. Von daher freut es mich ganz besonders, wenn die Arbeit der Schule als vorbildlich empfunden wird.“
Schulen, die sich als Projektpartner engagieren wollen, können sich an ihre jeweiligen Sportkreise wenden oder direkt über den Landessportbund anfragen.